Messolongi
Typischer Pfahlbau (pilades) in der Lagune von Messolongi.
Messolongi
(Messolonghi, Missolonghi, Missolunghi, Mesolongion)
ist mit etwa 13.500 Einwohnern der Hauptort der griechischen Präfektur
Ätolien-Akarnanien auf dem Festland am Golf von Patras der
Peloponnes.
Seit 2004 ist das Festland mit der Peloponnes bei Patras durch die
laengste
Schraegseil-Haengebruecke der Welt
( 2,7 km ) verbunden.
Die "heilige Stadt" Messolingi verzaubert den Besucher durch
ihre einzigartige Lage an der grossen Lagune, in welcher nicht nur die
(anbgeblich) besten Fische Griechenlands gefangen werden,
sondern wo auch Jahr fuer Jahr seltene Zugvoegel Station machen.
Ferner dient die grosse Lagune bei Tourlida auch der Salzgewinnung.
Die grossen Salinen geben der Landschaft eine gewisse Aehnlichkeit mit
duennbesiedelten Regionen der Camargue in Suedfrankreich.
Die grosse Lagune von Messolongi wird von einem Strassendamm durchquert, dank welchem man auch
die aeussere Region bequem erreichen kann. Zudem gibt es neben der Fahrbahn einen Fahrradweg quer duch die
Lagune, der auch stark frequentiert wird.
Durchquert man so die reizvolle flache Lagunenlandschaft, so erreicht man Tourlida mit
seinem kleinen Fischerhafen, wo gute Tavernen den Reichtum des Meeres anbieten.
Die Lage
Messolongi
liegt in
Griechenland
ca. 35 km noerdlich Patras auf dem Festland gegenueber der
Peloponnes
an der E55 nach Agrinio ( 30 km) und die Stadt Messolongi ist
auch der Sitz der gleichnamigen Samtgemeinde,
welche neben der Stadt Messolongi noch weitere 7 Ortschaften umfasst.
Messolongi wurde vermutlich im frühen 16. Jahrhundert gegründet
und erlangte vor allem Berühmtheit während der griechischen Revolution in den
1820er Jahren.
Messolongi gilt bis heute als Symbol des griechischen Widerstands
gegen das Osmanische Reich.
Seit 1937 darf die Stadt laut einer Verfügung des griechischen Königs Georgios II.
aufgrund ihrer historischen Bedeutung den Ehrentitel
"Iera Poli" ( Heilige Stadt) führen.
Messolongi
liegt am Golf von Patras in der Ebene, die im Lauf der Jahrhunderte im Mündungsgebiet
der Flüsse Acheloos und Evinos durch natürliche Anschwemmungen aufgeschüttet wurde.
Ursprünglich entstand das Städtchen auf drei Laguneninseln,
die heute allerdings durch Verlandung Teil des zentralgriechischen Festlands geworden
sind.
Knapp 20 Kilometer nordwestlich liegt auf einer Insel am anderen Ende
der 33,5 km² großen Lagune von Messolongi (des antiken Kynia-Sees)
der kleine Ort
Etoliko.
Dessen Altstadt vermittelt noch heute ein recht anschauliches Bild davon,
wie auch das frühneuzeitliche Messolongi ausgesehen haben mag.
Die Gemeinde Messolongi erstreckt sich über ein Gebiet von 250,218 km²
an reiner Landmasse; unter Einschluss von Lagunengebieten beläuft sich das
Gemeindegebiet auf 280,168 km².
Sämtliche Lagunengebiete fallen dabei dem eigentlichen Gebiet der Stadt Messolongi
zu (122,064 km² Fläche nur Land, 151,889 km² Fläche mit Lagunen und Binnengewässern).
Als Binnengewässer der Gemeinde Messolongi zählen die Messolongi-Lagune im Westen
und die Klisova-Lagune im Südosten der Stadt.
Die Stadt Messolongi selbst liegt auf einer Halbinsel zwischen den beiden Lagunen.
Die Landschaft der Gemeinde Messolongi ist in ihrem Norden und Osten von Bergen geprägt.
Im Süden und Westen des Gemeindegebietes dominiert küstennahes Tiefland,
welches (teilweise) aus Marschland per Trockenlegung gewonnen wurde.
Ganz im Westen des Gemeindegebietes erhebt sich südlich der Acheloos-Mündung
ein 439 m hoher Berg. Auf der Insel Oxia misst die höchste Erhebung 421 m.
Am dichtesten besiedelt innerhalb des Gemeindegebiets ist die Stadt Messolongi selbst
sowie die küstennahen Landstriche mit den Ortschaften Alikes Tourlidas,
Evinochori (unmittelbar am Evinos gelegen), Agios Thomas, Agrilla, Tambraki
und Nea Kalydona.
Im gebirgigen Landesinneren liegen die Ortschaften
Mousoura, Kato Ellinika, Ellinika, Karitsa, Kato und Ano Koudouni,
Koutsocheri, Agios Georgios, Kato Retsina, Schinos, Agios Simeon und Xireika.
Byzantinische Epoche
Obwohl das Byzantinische Reich durch Sprache und Kultur ein griechisch geprägtes
Staatswesen war, geriet das eigentliche griechische Kernland innerhalb des Reiches
in den Status einer abgelegenen Provinz.
Die Entvölkerung und Verödung selbst einst bedeutender Städte wie
Athen und Korinth hatte bereits in der Antike eingesetzt.
Räuberische Invasionen germanischer und slawischer Stämme hatten in der Spätantike und
im Mittelalter zum Niedergang der Region beigetragen.
In der Folge des Vierten Kreuzzuges fielen Zentralgriechenland und der Peloponnes
an Kleinfürsten aus dem westlichen Europa, die so genannten Lateiner.
Die faktische Macht lag hauptsächlich in der Hand der Republik Venedig,
die in diesem Randgebiet der Adria massiv die eigenen strategischen und
Handelsinteressen durchsetzte.
Das Alltagsleben der Menschen blieb durch die Zwistigkeiten der Feudalherren
untereinander sowie mit den Byzantinern und, seit etwa 1300,
den Osmanen von beständiger Unsicherheit gekennzeichnet.
Nach dem Vorbild der Venezianer zogen sich viele Bewohner der Küstenregion des Golfes von Patras auf die vorgelagerten Laguneninseln zurück, weil diese relativen Schutz boten und leicht zu verteidigen waren. Auf diese Lage inmitten der Seen (d. h. der Lagune) – auf italienisch mezzo laghi – soll nach Ansicht der meisten Historiker der Name der späteren Stadt Messolongi zurückgehen.
Am Rande des Osmanischen Reichs
in der Zeit vor Lepanto
Seit Mitte des 14. Jahrhunderts brachten die Osmanen fast die gesamte
Balkanhalbinsel und damit auch Griechenland unter ihren Einfluss.
Die türkischen Eroberungen waren aber hauptsächlich auf die Stärke der
Landstreitkräfte zurückzuführen,
über eine schlagkräftige und zuverlässige Kriegsmarine verfügten die Osmanen nur selten.
Es gelang den Venezianern als ausgesprochener Seemacht daher,
große Teile der für sie relevanten ehemals byzantinischen Gebiete unter Kontrolle
zu behalten, dies betraf vor allem griechische Inseln und die der Adria zugewandten
Küstengebiete.
Die Seeschlacht von Lepanto
(der griechische Name des unweit von Messolongi gelegenen Orts lautet Nafpaktos)
1571 sicherte den Venezianern ihre Vorherrschaft in der Adria auf Dauer.
In der Beschreibung, die der venezianische Historiker und Staatsmann
Paolo Paruta (1540–1598) in seiner Guerra di Cipro vom Verlauf der Lepanto-Schlacht
gibt, findet sich auch die erste Erwähnung von Messolongi.
Es scheint sich um eine zu diesem Zeitpunkt noch sehr junge Siedlung gehandelt
zu haben, die aber mit mehreren Tausend Einwohnern über eine bemerkenswert
große Bevölkerung verfügte, zahlenmäßig soll sie sogar diejenige Athens übertroffen haben.
In den folgenden Jahrhunderten blieb Messolongi de facto eine Besitzung
oder zumindest ein Protektorat Venedigs, wobei der Streit um die Herrschaft
über Stadt und Umland immer wieder – je nach dem Kräfteverhältnis zwischen der
Serenissima und der Hohen Pforte –
Gegenstand auch kriegerischer Auseinandersetzungen war.
Die Vorherrschaft Venedigs
Die Einwohner der Stadt lebten in den frühen Jahrhunderten vielfach in Pfahlbauten,
so genannten "pilades", wie sie auch heute noch typisch für die Gegend sind.
Mit zunehmender Verlandung der die Stadt umgebenden Lagune errichtete man dann
mehr und mehr Häuser in herkömmlicher Bauweise.
Wirtschaftliche Grundlage des städtischen Lebens waren zunächst Fischerei,
Salzgewinnung und Tabakanbau, in nicht unwesentlichem Ausmaß jedoch auch die Piraterie.
Mit dem Wachstum der Stadt und der engen Bindung an Venedig erwarb sich Messolongi
einige Bedeutung als Handelsplatz.
In der Blütezeit der venezianischen Epoche zwischen 1740 und 1770 verfügte die Stadt
über 75 Schiffe verschiedener Bauart und galt als einer der wichtigsten
Handels- und Kriegshäfen Westgriechenlands.
Viele europäische Staaten unterhielten im 18. Jahrhundert hier
diplomatische Vertretungen.
Messolongi und die „Republik der Sieben Inseln“.
Das Ende der Schutzmacht Venedig kam 1797 während der Napoleonischen Kriege,
und die unerwartete Situation stellte die Einwohner Messolongis vor neue Probleme.
Während die Stadt gezwungen war, die Oberhoheit von Sultan Selim III.
zumindest formal anzuerkennen, blieb sie gleichzeitig eine Keimzelle
des aufkommenden griechischen Nationalismus.
Darüber hinaus hatte der Untergang der Republik Venedig aber auch eine
für die griechische Unabhängigkeit psychologisch wichtige Folge:
Die vordem ebenfalls venezianischen, in der unmittelbaren Nachbarschaft Messolongis
gelegenen Ionischen Inseln erhielten von 1800 bis 1807 als Republik
der Ionischen Inseln (italienisch Repubblica Settinsolare)
eine beschränkte Autonomie unter türkischer und russischer Oberhoheit.
Auf diese Weise war erstmals seit dem 15. Jahrhundert ein zumindest
teilweise selbständiger griechischer Staat entstanden.
Die Ereignisse der 1820er Jahre
Dass die griechischen Freiheitskämpfer mit dem Namen Klephten,
das heißt Räuber, belegt wurden, war nicht nur die polemische Sprachregelung
der türkischen Obrigkeit.
Tatsächlich waren die Widerstandsgruppen bunt zusammengewürfelt,
in ihren Reihen fanden sich keineswegs ausschließlich freiheitsliebende Idealisten.
Vielmehr waren durch zunehmende Unterdrückung und Misswirtschaft
der osmanischen Verwaltung im 18. Jahrhundert viele griechische Kleinbauern verarmt
und hatten sich, an den Rand der Gesellschaft gedrängt,
in die Berge und auf Inseln zurückgezogen, wo sie auch mit kriminellen Mitteln
zu überleben versuchten.
Die bildhafte, bedrohlich klingende Bezeichnung übernahmen aber binnen kurzer Zeit
auch politisch engagierte Gruppen von Gesetzlosen.
Die erste Belagerung
Alexandros Mavrokordatos (1791–1865) war beim Ausbruch der Kampfhandlungen 1821
Kommandant der Aufständischen in Westgriechenland.
Er wählte Messolongi als sein Hauptquartier, weil die Stadt bereits
unter venezianischer Herrschaft mit Befestigungsanlagen versehen worden war:
Zusammen mit der bereits erwähnten günstigen natürlichen Lage verschaffte die mit
einem guten Dutzend Kanonen bewehrte Festung den zunächst an Zahl und Ausrüstung
weit unterlegenen Griechen also eine gut geschützte Operationsbasis.
Jedoch erkannten auch die Türken die strategische Bedeutung der Stadt,
gerade im Hinblick auf die angespannte Lage auf dem Peloponnes,
der bereits an die Aufständischen verloren zu gehen drohte.
Die Befehlshaber des Belagerungsheers beraumten einen Angriff für den
24. Dezember an, weil sie hofften, die Griechen während der Weihnachtsfeierlichkeiten
überraschen zu können.
Die Verteidiger erhielten jedoch durch Verrat Kenntnis von diesem Vorhaben,
und der Plan scheiterte.
Die für beide Seiten äußerst verlustreichen Kampfhandlungen zogen sich
noch fast ein ganzes Jahr hin.
Da es den Türken jedoch nicht gelang, den geschickt organisierten
Widerstand der griechischen Besatzung Messolongis entscheidend zu brechen,
beendeten die mittlerweile demoralisierten osmanischen Truppen die
Belagerung im November 1823.
Die zweite Belagerung
Die Schlappe, die die Türken während der ersten Belagerung hatten hinnehmen müssen,
verlieh dem Kampf um Messolongi auf beiden Seiten einen hohen symbolischen Wert.
Die Griechen beauftragten den italienischen Ingenieur Pietro Coccini
mit der Verstärkung und dem Ausbau der Festungsanlagen,
die darüber hinaus nun mit 48 weiteren Kanonen bestückt wurden.
Im April 1825 begannen die Türken auf Befehl Sultan Mahmuts II.
unter Resit Pascha (von den Griechen meist Kioutahis genannt) die erneute Belagerung,
zunächst nur von der Landseite her.
Abermals gelang es nicht, den Widerstand der von Admiral Andreas Miaoulis befehligten
Griechen zu brechen.
Einige Wochen später erreichte eine türkisch-ägyptische Flotte unter Ibrahim Pascha
den Golf von Patras. Trotz der erdrückenden Überlegenheit der osmanischen Einheiten
wiesen die Verteidiger Messolongis alle Kapitulationsangebote zurück.
Miaoulis' Schiffe waren nunmehr aber nur noch selten in der Lage,
die feindliche Blockade zu durchbrechen, um für Nachschub zu sorgen;
in der hungernden Stadt breiteten sich Seuchen aus.
Der Hochkommissar der inzwischen unter britischer Oberhoheit stehenden
Republik der Ionischen Inseln, Sir Frederick Adam, bemühte sich vergebens,
einen Waffenstillstand zu vermitteln.
Im Frühjahr 1826 war die Situation der Belagerten aussichtslos geworden,
so dass für die Nacht des 10. April (dem Vorabend des Palmsonntag)
ein Ausbruch aus der feindlichen Umzingelung beschlossen wurde.
Mittels dreier mobiler Brücken versuchten die Einwohner,
den die Stadt umgebenden Graben und später die türkischen Linien zu überwinden.
Diejenigen Bürger, die zu alt, krank oder geschwächt für eine schnelle Flucht waren,
verschanzten sich mit den verbliebenen Munitionsvorräten im Zeughaus
und der Windmühle der Stadt.
Der Ausbruchsplan wurde jedoch an die Türken verraten,
die somit auf die Situation vorbeitet waren und ein Massaker unter den Flüchtenden
anrichteten.
Nur einigen Hundert Griechen gelang die Flucht aus dem Belagerungsring,
die in der Stadt verbliebenen Bürger sprengten sich nach blutigen Straßenkämpfen
gegen die eindringenden Eroberer in den Morgenstunden des 12. April selbst in die Luft.
Mit dem Exodos der Verteidiger Messolongis wurde die Basis für einen nationalen Mythos
gelegt, der im griechischen Selbstverständnis bis heute präsent ist.
Die enorme symbolische Bedeutung,
die den Ereignissen um die Belagerungen zuerkannt wurde, hat dazu geführt,
dass viele Fakten und Zahlen von pro-griechischer Seite entstellt oder massiv
übertrieben wurden, während Angaben von türkischer Seite kaum überliefert
und von der historischen Forschung so gut wie nicht aufgearbeitet sind.
Es ist davon auszugehen, dass sich im April 1826 etwa 10.000 Menschen
in den Mauern von Messolongi aufhielten, von denen wohl nur ungefähr
1.000 die Kämpfe überlebten.
Der Mythos Messolongi
Lord Byron, einer der bedeutendsten Dichter der englischen Romantik –
vor allem der schwarzen Romantik –,
hatte Messolongi bereits im Jahre 1811 erstmals besucht.
Als einem der berühmtesten Philhellenen wurde ihm 1823 in Pisa,
wo er seit einiger Zeit lebte, der Oberbefehl über die griechischen Streitkräfte
angetragen.
Obwohl ohne jegliche militärischen Kenntnisse, akzeptierte Byron
und finanzierte umgehend die Ausrüstung neuer griechischer Flotteneinheiten.
Die geplante Einnahme der von den Türken gehaltenen Festung Nafpaktos misslang,
und so wendete sich Byron mit seiner Truppe nach Messolongi,
wo er am 5. Januar 1824 von einer begeisterten Menschenmenge willkommen geheißen wurde.
Byrons Gesundheit verschlechterte sich in den kommenden Wochen rapide –
vermutet wird unter anderem, er habe sich im ungesunden Klima der Lagune mit
Malaria infiziert.
Die von den Ärzten verordneten Aderlässe schwächten den Körper des Dichters weiter,
und er starb schließlich am 19. April 1824, ohne jemals in großem Umfang an Kämpfen
teilgenommen zu haben.
Eines seiner letzten Gedichte verfasste Byron an seinem 36. Geburtstag,
es endet mit den Worten:
"...seek out—less often sought than found—
A soldier’s grave, for thee the best;
Then look around, and choose thy ground,
And take thy rest.
(At Missolonghi, January 22, 1824)"
Johann Jakob Meyer behauptete später, sein Freund Byron sei in seinen Armen verstorben,
eine Geschichte, die zumindest von zwei Zeitgenossen bestätigt wird.
Dennoch lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen,
ob die Aussage des Schweizers der historischen Wahrheit entspricht,
oder nur eine Anekdote ist, die dem Wunschdenken entspringt.
So hoch der Symbolwert von Byrons Ankunft in Griechenland für die Bevölkerung
gewesen war, so schockiert reagierten die Aufständischen,
als sie vom überraschenden Tod eines ihrer berühmtesten und wortgewaltigsten
Sympathisanten erfuhren.
Während Byrons Leichnam nach England überführt wurde, hatte der Dichter verfügt,
dass sein Herz in Messolongi bestattet werde.
Eugène Delacroix
Der Maler Eugène Delacroix repräsentiert einen anderen Typus des Philhellenen.
Während der dramatischen Ereignisse um den Aufstand in Griechenland verließ er
seine französische Heimat nicht.
Delacroix war ein begeisterter Leser der Werke Byrons,
und auf diese Lektüre ist die Hinwendung des jungen Künstlers zum Philhellenismus
wohl maßgeblich zurückzuführen.
Obwohl Delacroix zeitlebens nicht nach Griechenland kam,
schuf er mit dem Massaker von Chios (1824) und dem Werk
"Das sterbende Griechenland auf den Ruinen von Messolongi"
zwei Gemälde, die bereits zu ihrer Entstehungszeit sinnbildhaft für den
„Freiheitskampf der Hellenen“ standen.
Die junge Frau in griechischer Tracht steht als zentrale Figur des Gemäldes mit
ihren hilflos ausgebreiteten Armen für das geschlagene griechische Volk.
Zu ihren Füßen ragt aus den Ruinen die Hand eines von umstürzenden
Mauerresten zerschmetterten Freiheitskämpfers, eine Anspielung auf die Umstände,
unter denen die in der Stadt verbliebenen Bewohner in den Tod gingen.
Im Hintergrund sehen wir die triumphierende Gestalt eines „maurischen“ Söldners,
der die siegreichen osmanischen Truppen verkörpert.
Nach der griechischen Unabhängigkeit
Das Eingreifen der europäischen Großmächte,
beispielsweise in der Schlacht von Navarino 1827,
schließlich mit dem Londoner Protokoll von 1830 zur Gründung eines souveränen
griechischen Staates.
In Messolongi konnten sich die Türken noch bis 1829 halten.
Mit der Proklamation (1833) der autokephalen Kirche von Griechenland
beziehungsweise deren Anerkennung durch den Patriarchen von Konstantinopel (1850)
wurde die Stadt Sitz eines orthodoxen Metropoliten.
Innerhalb des neuen Staates spielte Messolongi keine bedeutende Rolle mehr.
Allerdings wurde die Stadt wiederaufgebaut und modernisiert.
Das moderne Messolongi ist noch immer tief geprägt von der Erinnerung
an die Ereignisse aus den Jahren des Aufstandes.
Mehrere Museen und Gedenkstätten thematisieren verschiedenste Aspekte des Mythos,
mit dem die Stadt in Griechenland umgeben ist.
Der Palmsonntag ist, in Erinnerung der Tragödie von 1826,
in Messolongi weit mehr ein nationaler denn ein religiöser Feiertag.
1996, zum 100. Jubiläum der ersten Olympischen Spiele von 1896,
wurde mit Unterstützung des Nationalen Olympischen Komitees Griechenlands
der Heldenpark ausgebaut,
in dem zahlreiche Denkmäler an die Freiheitskämpfer aufgestellt sind,
darunter unter anderem für Byron, Meyer und die US-amerikanischen Philhellenen.
In Messolongi erscheinen drei Tages- und zwei Wochenzeitungen,
die Elliniki Chronika ist jedoch nicht mehr darunter.
Besonders reich ist das kulturelle Angebot in den Sparten Musik und Tanz,
vor allem deren traditionellen griechischen Ausprägungen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Griechenlands spielt der Tourismus
als Wirtschaftsfaktor noch eine untergeordnete Rolle.
Die Lagune von Messolongi ist ein Naturschutzgebiet gemäß
der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union.
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